Zitate von Alois Essigmann
page 2

Ich stelle mir gerne den Fachmann als ein einfaches Dromedar und den Polyhistor als ein vielhöckriges Kamel vor.

Gibt es Gemeines in der Kunst? – Ich glaube, auch der Rinnstein der Milchstraße ist mit Sternen gepflastert.

Aphorist und Enzyklopädist! was ist gottnäher: Aus einem Körnlein einen Baum zaubern, oder Ziegel zu einem Bau schleppen?

Glaubt Ihr, Gott lenke nur, wenn der Mensch denkt! – Da hätt‘ er ein Leben, wie der Herrgott in Frankreich.

Auf den Stufen der Macht liegt fingerdick der Dreck: das ist die öffentliche Meinung.

Der Fromme taucht alles in mystisches Dunkel, der Forscher zerrt alles ans Licht des Tages. Darum wirtschaftet die Natur mit dem, schläft bei jenem, und ist beständig im Wechsel.

Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen treiben? Heroischer ist: sie um seiner selbst willen treiben.

In ihrer Verdeutschungswut haben die Berliner vergeblich nach einer treffenden Übersetzung von „Snob – snobistisch“ gesucht. „Kurfürstendämmlack – und kurfürstendämmlich“ schlage ich ihnen vor.

Deutsche Chauvinisten sind Leute, die am liebsten eine Eiche im Knopfloch tragen würden.

Das, was sich Neue Kunst nennt, sagt: Keine Ausnahme ohne Regel! – und sichert sich damit die Neuheit.

Der Geist des Mannes, der Leib des Weibes: verschenken bereichert, verkaufen macht arm.

Wenn ein Dichter das Wort ernst nimmt, sagen Literaturprofessoren: Er macht Wortspiele.

Nicht wer zu wissen glaubt, steht jenseits von Gut und Böse. Nur wer zu glauben weiß!

Zwischen Weisheit und Wissen klafft ein breiterer Abgrund als zwischen Religion und Kirche.

Mit Recht sind die Ästheten über das Schmatzen beim Essen entrüstet, aber ich höre sie beim Genießen der Schönheit schmatzen.

Nietzsche sagt: „Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.“ Das ist zu wenig! Inwendig will er gelernt werden – auf daß sich das Innere wende!

Keiner kann behaupten: Karl Kraus ist unser! Aber mancher muß gestehen: Ich bin der Seine!

Ja, ja! die Buchmacher! – Den einen ist es nur um die Pferdezucht zu tun, den anderen nur um die Literatur.

Futurismus? – Das wäre ein Futurum, das aus der Gegenwart in die Vorvergangenheit weist und doch ein Exaktum kennt.

Sexualität ist der schenkende Reichtum des Stromes, Erotik die lockende Romantik des Wildwassers.

Sein ist eben „sein“ und nicht „Sein“. Will man es nicht als Zeitwort gelten lassen, so muß man es unter die Ewigkeitsworte einreihen.

Die Ehe ist für manch eine ein trauriges Erwachen. – Weil das Einschlafen so traurig ist.