Honoré de Balzac Zitate
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Wer sagt, es gibt sieben Wunder auf dieser Welt, hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt. Wer sagt, Reichtum ist alles, hat nie ein Kind lächeln gesehen. Wer sagt, diese Welt sei nicht mehr zu retten, hat vergessen, daß Kinder Hoffnung bedeuten.
Ein Mann sollte aus seiner Ehefrau auch eine Geliebte machen können. Die Sucht nach Abwechslung ist sicherlich ein Zeichen von Ohnmacht.
Das Wort hat nichts Absolutes: wir wirken mehr auf das Wort, als es auf uns wirkt; seine Kraft kommt aus den Vorstellungen, die wir erworben haben und nun hineinlegen.
Welcher Physiognomiker ist imstande, einen Charakter so schnell zu erfassen wie ein Hund, der sofort weiß, ob ein Fremder ihn liebt oder nicht? Das Gefühl umfaßt alle Dinge und überwindet den Raum.
Wir werden durch das Buch vielleicht sicherer und länger herrschen als durch das Schwert.
Zu den köstlichsten Freuden des Junggesellenlebens zählt jeder Mann die Unabhängigkeit des Aufstehens.
Bis jetzt hat kein Mathematiker die Längen- und Breitengrade auf dem Meere der Ehe zu bestimmen gewagt.
Es gibt Menschen, die wir in der Erde begraben, aber andere, die wir besonders zärtlich lieben, sind in unser Herz gebettet.
Es gibt zwei Arten von Geschichte: Die eine ist die offizielle, geschönte, jene die gelehrt wird, eine Geschichte ad usum delphini; und dann ist da die andere geheime Geschichte, welche die wahren Ursachen der Ereignisse birgt, eine beschämende Geschichte.
Wenn die öffentliche Meinung erst einmal in Bewegung geraten ist, ist es sehr schwierig, sie aufzuhalten.
Das Gefühl, das ein Mensch am schwersten erträgt, ist das Mitleid – besonders, wenn er es verdient.
Welche Schande für unsere Zeit, daß sie Bücher herstellt, die nicht von Dauer sind!
Der Mann ist so beschaffen, daß er dem vernünftigsten Argument eines Mannes widersteht, aber dem unvernünftigsten Blick einer Frau erliegt.
Selbstverständlich gibt es auch unter den Tugendhaften reizende Leute, aber meist ist es doch so, daß sie ihre Tugend allein schon für eine so schöne Sache an sich halten, daß sie sich weiter keine Mühe geben, liebenswürdig zu sein.
Wißt ihr, wie ihr eine Stunde vor eurem Erwachen aussaht, oder während der ersten Stunde eures Schlafes, als ihr weder Mensch noch Tier waret und unter der Herrschaft der Träume standet, die durch das hörnerne Tor kommen? Das ist ein Geheimnis zwischen eurer Frau und euch!
Die traurige Stimmung, in die uns das Gefühl eines Unrechts versetzt, ist schauerlich; sie hüllt das ganze Leben ein und läßt uns an allem zweifeln.
Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich.
Unser Herz ist eine Schatzkammer; entleeren wir sie auf einmal ganz, so sind wir zugrunde gerichtet.
Die tugendhaftesten Frauen haben in sich ein gewisses Etwas, das niemals keusch ist!
Ein kluger Mann sagt seiner Frau, er verstehe sie, und versucht dann nichts, um es ihr zu beweisen.
Es ist ebenso absurd zu behaupten, ein Mann könne nicht ständig dieselbe Frau lieben, wie zu behaupten, ein Geiger brauche mehrere Geigen, um ein Musikstück zu spielen.
Die richtigen Kaufleute betrachten einen Schriftsteller mit einem Gefühl, das aus Schreck, Mitleid und Neugier zusammengesetzt ist.
Von allen Waren dieser niedrigen Welt ist die Gerechtigkeit unbestritten die teuerste.
Daß es der Zweck des Menschen ist, Ideen hervorzubringen, ist nicht erstaunlicher als Duft und Farbe bei den Pflanzen. Vielleicht sind die Düfte Ideen!
Dachstubenlyrik lebt vom Luxus der Gefühle – was würde aus der Liebe ohne diesen Reichtum werden!
Der Zufall ist der größte Romanschreiber in der Welt: Um fruchtbar zu sein, muß man ihn studieren.
Liebe mag für primitive Naturen ein körperliches Bedürfnis darstellen. Geistigen Menschen bedeutet sie das fesselndste Erlebnis der ganzen Schöpfung.
Ich wollte sie auf die Probe stellen, Monsieur, und ich habe den Versuch bitter bereut. Bedeutet eine Probe nicht Bespitzelung, wenigstens doch Mißtrauen?
Die Welt des Instinkts, die Welt der Abstraktion und die Welt der reinen Anschauung: das sind die drei Sphären der Welt der Ideen.
Die größten Stöße des Lebens benehmen einem die Furcht vor seinen kleinen, gewöhnlichen Gefahren.
Die Liebe verabscheut die Arbeit und das Elend. Sie will lieber sterben, als kümmerlich ihr Leben fristen.